Warum der Schluchseer Jägersteig eigentlich Jägerpfad heißen müsste

6
Jun

Diese Schuhe sind eine einzige Lachplatte. Hobbitlatschen. Sehen aus wie die Schwimmhäute einer Stockente. Dann habe ich mich bekehrt. Ich bin jetzt eine von denen. Diesen seltsamen Zehenfußträgern, die mit der Zehenbox und den profilierten Schlappen. Wie konnte das nur geschehen?

Es geht auf dem alten Jägerpfad leicht aufwärts zum Ahaberg. Vereinzelt flirrt Sonnenlicht durch das Blätterdach, es ist angenehm schattig an diesem heißen Sommertag.

Schwere Wanderstiefel sind out. Wandern im Schwarzwald ist schließlich kein Manöver. Genuss steht an erster Stelle. Dazu wurden eigens die Schwarzwälder Genießerpfade generiert.

Die allseits propagierte Entschleunigung wahrnehmen. Den Wald mit allen Sinnen spüren. Warum nicht auch mit den Füßen? Nachdem jahrzehntelang der Fuß gestützt und gedämpft wurde, geht es jetzt zurück zur Natur. Natürliches Gehen ist angesagt und minimalistisches Fußwerk ist in. Wie damals bei den Indianern, die sich in ihren Moccasins lautlos auf die Pirsch machten. Wobei wir beim Jägersteig gelandet sind. Genauer gesagt beim Wolfsgrund, wo sich das Jägersteig-Portal befindet. Mit meinen neuen Zehenschuhen will ich mir den Jägersteig erschleichen.

Gut nur, dass Tiere farbenblind sind. Meine Zehenschuhe würden sie sonst in eine überstürzte Flucht treiben. Die Füße sehen aus, als hätte man ihnen eine Warnweste verpasst. Schrille Orange-Töne und kreischendes Gelb, damit macht man bei einer Techno-Party (gibt es die eigentlich noch?) eine gute Figur, äh, Fuß.

Am Wolfsgrund heulen keine Wölfe, dafür lärmen die Motoren. Nichts wie weg von der viel befahrenen Straße, ab in den Wald. Der empfängt mich mit samtenem Moos, auf denen meine Schritte auf und ab federn. Ich spüre ein kühles, erdiges Gefühl, das meinen Fuß umgibt. Der schmale Pfad schlängelt durch Fichtenwald und bald schon sind die Straßengeräusche vom Wald geschluckt. Ich höre Vögel zwitschern.

Wir folgen dem Felsenweg, der uns aus dem Wald auf den Bildsteinfelsen bringt. Die Aussicht ist atemberaubend. Tief unter uns glänzt der Schluchsee.

Es geht auf dem alten Jägerpfad leicht aufwärts zum Ahaberg. Vereinzelt flirrt Sonnenlicht durch das Blätterdach, es ist angenehm schattig an diesem heißen Sommertag. Feine Spinnweben kitzeln auf der Haut. Der Waldboden ist weich, mit den Zehenschuhen ist es fast wie barfuss gehen. Ich gehe langsamer, achtsamer, spüre den Boden unter den Füßen, wo ich sonst in dicken Wandersocken schwitze und mit fester Sohle auftrete. Mit den Zehenschuhen bin ich erdverbundener, spüre Steine und Wurzeln, auf eine nicht unangenehme Weise.

Nach zwei Kilometern öffnet sich der Wald auf belohnt den Anstieg mit einem herrlichen Blick auf den Schluchsee.

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1 Kommentar »

  1. Sehr schöner Bericht. Im Hunsrück werden auch geführte Wanderungen auf schönen Wanderwergen angeboten.

    Naturcamps Hunsrück — 22. August 2016 @ 15:04

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